Montag, 19. Mai 2014

Beziehungen, Beziehungen, Beziehungen …

  
bei einer kambodschanischen Hochzeit

Unglaublich, dass seit unserem letzten Blogeintrag schon wieder zwei Monate vorbei sind, haben wir doch das Gefühl, noch immer an den gleichen Dingen zu arbeiten. :) Das liegt wohl daran, dass Beziehungen nicht wie eine Aufgabe erledigt und abgehakt werden können, daran, dass wir so viele neue Beziehungen haben und dass wir durch die extreme Hitze gerade einfach weniger Kraft haben.
Doch wenn wir genauer zurückschauen, gibt es viele Gründe zum Danken. Unsere Vermieter waren bei uns zum Essen und auch sonst haben wir guten Kontakt zu ihnen. Sie mögen uns sehr. Mit vielen unserer Nachbarinnen hat Hanna guten Kontakt. Die Sympathie füreinander ist da.

Beim Spielen und Essen mit den Nachbarskindern

Auch im Projekt Bridge of Hope wachsen Beziehungen stetig. Danilo aß einmal pro Woche mit den Männern, die im Projekt angestellt sind, zu Mittag. Obwohl er nicht viel mit ihnen reden kann und nicht viel versteht, wird er in ihrem Kreis herzlich aufgenommen. Seit Anfang Mai spielen sie nun einmal pro Woche Fußball miteinander. Auch Hanna hat schon mit vielen weiblichen Angestellten geredet und mehr von ihren Lebensgeschichten erfahren. Besonders hilfreich war ein Ausflug der Frauen ins Freibad mit Zeit zum Reden.
Und doch finden wir es anstrengend Beziehungen im Projekt aufzubauen. Alle sprechen Khmer, sind beschäftigt mit ihren Aufgaben und kennen sich schon lange. Den Mut aufzubringen vor vielen in der Gruppe zu reden und dann auch zu wissen, was man sagen könnte, kostet Kraft.

(fast) alle derzeitigen Mitarbeiter von Bridge of Hope

Die Projektleiterin Valeria aus Brasilien leitet das Projekt seit dem Start hier in Siem Reap vor über vier Jahren allein. Wir arbeiten daran uns besser kennenzulernen – besonders die Persönlichkeit, Stärken, Schwächen und den Arbeitsstil des anderen – um harmonisch miteinander arbeiten zu können.

Valeria und wir

Ein kambodschanisches Management-Team fängt nun an sich monatlich zu treffen, um Schritt für Schritt die Projektleitung zu übernehmen, denn Valeria wird Ende diesen Jahres für ein Jahr nach Brasilien zurückgehen. Geplant ist, dass unsere Aufgabe dann vor allem in der Kommunikation zum Freundes- und Unterstützerkreis im Ausland und zum WEC-Kambodscha-Team liegt.

Unser Team wurde für sieben Wochen von einer Familie aus den Niederlanden verstärkt, was eine schöne Abwechslung war, denn auch sie waren, wie wir neu in Siem Reap. Unsere anderen drei ausländischen Teamkollegen sind schon lange in Kambodscha und schon einige Jahre in Siem Reap. Sie haben bereits ein stabiles Beziehungsnetz und einen ausgefüllten Zeitplan. Wir schätzen es aber sehr, dass sie sich Zeit für uns nehmen, wenn wir es brauchen.

In der kambodschanischen Kirche, die wir besuchen, hat Danilo zwei Jugendliche, die sich sehr gerne mit ihm unterhalten. Für Hanna ist es anstrengend immer wieder neu auf Leute zuzugehen und Gespräche zu beginnen. Auch dort kennen sich viele schon länger und andere sind es nicht gewöhnt mit Ausländern zu reden.
Alles in allem heißt es einfach dran zu bleiben, präsent zu sein, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn Kambodschaner ganz anders reagieren, als man es erwartet hätte, das Gefühl der Einsamkeit zu ertragen und weiter zu machen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir erst etwas mehr als ein Jahr in Kambodscha sind und noch viel über Sprache und Kultur lernen müssen.

Mehr und mehr wird nun auch klar, welche Aufgaben wir im Projekt übernehmen. Derzeit planen wir, uns demnächst dem Bridge of Hope-Team offiziell auf Khmer vorzustellen und zu erklären, welche Aufgaben wir übernehmen (werden). Das wird sicher auch für die Beziehungen zu ihnen hilfreich sein, wenn sie uns besser einordnen können.
In den letzten Wochen hat sich Danilo noch mehr in die Buchhaltung eingearbeitet, war mit unserem kambodschanischen Mitarbeiter bei einem zweitägigen Treffen unserer Dachorganisation und zusammen haben wir Dankeskarten und einen Freundesbrief für die Unterstützer von Bridge of Hope geschrieben und verschickt. Hanna hat Unmengen an Fotos sortiert, neue geschossen und damit die Facebook-Seite (https://www.facebook.com/pages/Bridge-of-Hope- Cambodia/) gefüttert. Außerdem haben wir der Praktikanten-Familie geholfen beim Einleben, Hanna hat zwei Mal, als niemand anderes helfen konnte, deren Englischunterricht in Khmer übersetzt und dann haben wir sie wieder verabschiedet.
Ja, es geht voran und wir bekommen einen immer besseren Einblick in das Projekt, aber auch in das, was die Mitarbeiter bewegt.

Danilo beim Arbeiten im Büro mit dem kamb. Angestellten

Zukünftig wollen wir ein Programm für Teenager starten, die im Sommer aus der Bridge of Hope-Schule ausscheiden. Dafür brauchen wir ein Team mit zwei bis drei Kambodschanern. Das Programm sollte so schnell wie möglich starten, da es gut wäre, wenn die Gruppe vor dem Sommer bereits etabliert wäre und die Teenager dadurch auch nach dem Sommer weiterhin zur Gruppe kommen. Auch das ist etwas, woran wir mit der Valeria in den letzten zwei Monaten gearbeitet haben.

Hanna hatte bisher leider wenig Zeit sich dem Bereich Physiotherapie zu widmen und hatte erst zwei Treffen mit zwei verschiedenen Organisationen. Aber in den kommenden Wochen sind weitere Treffen geplant.

Im Bereich Sprach- und Kulturstudium geht es auch voran. Wir lernen fleißig halbtags Sprache, machen Hausaufgaben, stellen Fragen,… Des Weiteren sind wir vor ein paar Wochen in den Teil des Landes gefahren, wo sich die Roten Khmer noch bis 1998 versteckt hatten und haben Pol Pots (Leiter der Roten Khmer) Grab besucht.

Pol Pots Grab

Und wie sieht es zu unseren Beziehungen nach Hause aus?
Wir sind sehr dankbar, dass manche von euch sehr regelmäßig schreiben! Wir sind schon mehr als ein Jahr weg. Da kann man in Vergessenheit geraten, aber uns interessiert es zu hören, was euch bewegt, was sich in eurem Umfeld und eurem Freundeskreis tut und was die Deutschen bewegt. 
Ja, ihr seht die letzten Wochen waren ereignisreich und auch die kommenden werden nicht langweiliger. :)

Liebe Grüße aus Kambodscha,
Danilo & Hanna

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