Mittwoch, 9. August 2023

Bilanz zur Jahresmitte...



Schon über die Hälfte des Jahres ist vorbei und unsere Zeit in Deutschland fühlt sich bereits sehr weit weg an. Das liegt daran, dass so viel geschehen ist seit unserer Rückkehr vor sieben Monaten. Trotzdem liegen die Erinnerungen, die wir in Deutschland machen konnten als Schatz in unserem Herzen.
In den letzten zwei Monaten ist bei uns endlich wieder ein gewisser Alltag eingekehrt. Das tut sehr gut.

PCL (People for Care and Learning – Menschen für Fürsorge und Bildung) kümmert sich um die Familie von Sophal*. Er ist schwer geistig und körperlich behindert und doch kommt seine Mutter mit ihm und seinen zwei Geschwistern zum Kinderprogramm von PCL, dass immer sonntags stattfindet.
Wie durch ein Wunder hat die Spende aus Deutschland gereicht, um nicht nur die Hälfte des Grundstücks von Sophals Familie mit Erde aufzuschütten, sodass es in der Regenzeit nicht mehr überflutet, sondern auch noch um ein einfaches Blech-Haus zu bauen, was nun fertig gestellt wurde. Nur der Fußboden ist noch nicht betoniert. Dafür muss die Familie nun selbst noch etwas Geld sparen.


Jiyoung, unsere koreanische Kollegin, hat der Mutter beigebracht Ketten herzustellen, die im Restaurant von PCL verkauft werden. Zurzeit gehen Hanna und Jiyoung jede Woche zu Sophals Mutter, um die hergestellten Ketten in Empfang zu nehmen, sie dafür zu bezahlen und ihr zu zeigen, wie sie neue Ketten herstellen kann.


Sophal kann nun außerdem einmal pro Woche mit seiner Mutter in ein Zentrum gehen, wo Kinder mit geistiger Behinderung gefördert und die Eltern angeleitet werden. Rachel, eine australische Freundin von Hanna, hat es vor drei Monaten eröffnet.
 
Genial ist auch, dass Sophanna, ein kambodschanischer Musiker, der so schwer behindert ist, dass er nur auf dem Bauch liegen kann, vom Verkehrsminister ein Stück Land und ein Haus geschenkt bekommen soll. Er konnte bei den südostasiatischen Para-Sportwettkämpfen, die in Kambodscha stattfanden, als Musiker auftreten. Hier könnt ihr euch das Video anschauen:
 

In dem von ihm geschriebenen Lied geht es darum, dass man Hoffnung hat, solange man atmen kann. Dieser Auftritt hat ihm viele Türen geöffnet. Hanna besucht ihn seit längerem regelmäßig und hat sich mega mit ihm über all die neuen Entwicklungen gefreut.
 
Anfang Juli konnten wir übers Wochenende in die nördliche Provinz Preah Vihear fahren. Am Samstagnachmittag besuchte Hanna mit der Frau des kambodschanischen Pastors dort vor Ort zwei Familien mit behinderten Kindern, die bereits junge Erwachsene sind. Sie hatten die Gelegenheit, die Eltern zu ermutigen, sich weiterhin um ihre Kinder zu kümmern, auch wenn es eine herausfordernde Aufgabe ist und sie keinerlei Unterstützung haben. Nun hoffen wir, dass sie bald jeweils einen Rollstuhl von einer katholischen Organisation bekommen zu der Hanna den Kontakt vermittelt hat.


Immer wieder kommen nun auch Familien aus entfernten Provinzen, die wir kennen, nach Siem Reap ins Krankenhaus. Wir heißen sie willkommen, besuchen sie und kümmern uns um die Verpflegung, da es hier in den meisten Krankenhäusern keine Verpflegung für die Patienten und Angehörigen gibt.
 
Letztens hat Danilo einen kambodschanischen Freund getroffen, der gerade geheiratet hatte. Sie sprachen eine längere Zeit über das Thema Ehe. Danilo gab ihm eine Checkliste, die uns in unseren ersten 10 Ehejahren geholfen hat, in der richtigen Spur zu bleiben und dass sich schlechte Gewohnheiten erst gar nicht in unsere Beziehung einschleichen konnten. Wir haben die Liste dreimal im Jahr durchgearbeitet und uns Ziele gesetzt, um kontinuierlich an unserem Miteinander zu arbeiten. Wir sind dankbar für das Ehevorbereitungsseminar, an dem wir vor unserer Hochzeit teilnahmen und wo wir die Liste erhalten haben.
Danilos Freund war gleich sehr begeistert, hat die Liste mit den Reflexionsfragen in Khmer übersetzt und hat sie einer anderen Freundin von uns weitergegeben, die schon länger verheiratet ist. Als sie die Liste durchschaute, sagte sie traurig: „Meine Ehe ist nicht gut…“. Das hat uns sehr überrascht, denn wir haben sie immer als glückliches Ehepaar erlebt, dass sich gegenseitig viel unterstützt.
Im Bereich Ehe, Partnerschaft und Familie gibt es viel Bedarf für Schulung und Seelsorge. Wir freuen uns sehr darauf mit unserer Freundin Miranda aus der Schweiz, in wenigen Wochen einen 12-wöchigen Kurs zum Thema „Ehe und Familie“ starten zu können. Am 9. September soll es losgehen. 

Zoe und Mia haben ihr Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. Wir sind stolz auf unsere Kinder, die sehr gutes Feedback von ihren Lehrern bekommen haben. Zoe ist eine gute Schülerin und hat sich nach unserer Rückkehr ohne Probleme in ihrer neuen Schule und Klasse integriert. Auch Mia hat ganze Arbeit geleistet. Ihr Englisch wird immer besser und sie hat begonnen Freundschaften zu anderen Vorschulkindern aufzubauen. Lena hat nun ebenfalls schon manchmal Treffen mit anderen Babys, von denen sie ganz fasziniert ist.
 
Da Zoe und Mia gerade Ferien haben waren wir schon 2,5 Wochen unterwegs, um an vier verschiedenen Orten physiotherapeutische Einsätze zu machen. Davon berichten wir noch mehr im nächsten Blogeintrag.
Nun gehen wir erst einmal für zwei Wochen in den Urlaub nach Malaysia und freuen uns sehr auf diese Erholung. Wir merken, dass unser Alltag immer wieder sehr voll ist und hoffen dass wir eine erfrischende Zeit als Familie haben, die uns näher zusammen bringt.

Wie geht es euch? Was ist bei euch in den letzten Monaten passiert? Wie verbringt ihr den Sommer? Was bewegt euch? Wir freuen uns, von euch zu hören!
 
Herzliche Grüße,
Hanna & Danilo mit Zoe, Mia & Lena
 
 
* Um die Privatsphäre zu schützen, haben wir den Name geändert.
 

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