Montag, 15. November 2021

Herausforderungen...



Zwei herausfordernde Monate liegen hinter uns. Gerne wollen wir heute etwas davon mit euch teilen...

Im September gingen die Corona-Zahlen in Siem Reap steil nach oben. Alle Marktverkäufer der lokalen Märkte in Siem Reap wurden durchgetestet. Bei vielen fiel der Test positiv aus und die Quarantänezentren waren überfüllt. Deshalb wurden die meisten Stadteile Siem Reaps in einen harten Lockdown versetzt, in denen man das Haus nicht mehr verlassen durfte. Am gleichen Tag, als der harte Lockdown verkündet wurde, bekamen wir die Nachricht, dass es Probleme mit den Reisepässen und Visa von Zoe und Mia gibt. Da es bereits Gerüchte gab, dass an diesem Tag der harte Lockdown kommen wird, haben wir schnell gepackt und konnten drei Stunden später gerade noch Siem Reap verlassen und in die Hauptstadt fahren. Da unser Stadtteil rote Zone war, aus der niemand weder rein noch raus durfte, sind wir zwei Wochen in Phnom Penh geblieben, haben Termine beim Außenministerium und in der deutschen Botschaft wahrgenommen und haben die neue Kurzzeit-Mitarbeiterin Evelien empfangen. Sie ist für 10 Monate hier, um die Kinder unserer niederländischen Teamkollegen zu unterrichten. Wir konnten ihr Phnom Penh zeigen und sie unseren Teamkollegen in der Hauptstadt vorstellen. Außerdem hatte Hanna in der Zeit wertvolle Treffen und konnte ihr Netzwerk von Leuten, die mit Menschen mit Behinderung arbeiten, erweitern.

Nach den zwei Wochen kam ein plötzlicher Erlass von der kambodschanischen Regierung, dass alle Zonen aufgehoben werden und dass niemand mehr getestet werden soll, der keine Symptome hat. So sind wir schnell nach Siem Reap zurückgefahren, denn in der darauffolgenden Woche sollte die jährliche Konferenz unseres Teams hier in Kambodscha stattfinden.

Unterwegs mit Evelien  

Mit Evelien Teamkollegen treffen

Kurz nachdem wir in Siem Reap ankamen, erhielten wir die Nachricht, dass Danilos Oma verstorben ist. Das kam sehr überraschend und traf uns wie ein Schlag, vor allem, weil wir nicht mal schnell nach Deutschland fliegen konnten, um bei der Beerdigung dabei zu sein. Sie war und ist uns ein großes Vorbild. Ihre Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, hingebungsvolle Liebe, starker Glauben, Anteilnahme und Treue haben uns geprägt und wir durften viel von ihr lernen. Es ist schwer sich vorzustellen, dass wir sie nicht in die Arme schließen können, wenn wir das nächste Mal in Deutschland sind.
 
Nach dieser Nachricht war die zwei Tage später beginnende Konferenz gleich noch anstrengender, wie sie sowieso bereits durch ihr online-Format war. Trotz allem konnten wir in Einheit eine neue Leitung wählen. Unser neuer Leiter ab März 2022 wird Thomas aus England. Noch vor ein paar Jahren war er unser Kurzzeitler in Bridge of Hope, nun wird er unser Leiter. Er hat sich als vertretenden Leiter einen älteren koreanischen Kollegen gewählt. Beide wohnen in Phnom Penh. Wir freuen uns sehr über dieses Ergebnis. Danilo wurde auch ins neue Leitungsteam (bestehend aus drei weiteren Personen neben dem Leiter und dem Stellvertreter) gewählt. Um das für ihn zeitlich möglich zu machen, wird unser Team bis nächsten Sommer keine neuen Kurzzeitler annehmen, sodass in seinem Verantwortungsbereich Kurzzeit-Mitarbeiter weniger Arbeit anfällt.
 
 
Nach der Konferenz wurde bekannt, dass man in Phnom Penh nun nur noch in die Schule, Restaurants, Supermärkte, etc. gehen darf, wenn man einen Covid-19-Impfnachweis besitzt. Gerade läuft die Impfkampagne für 3-5jährige an... Es wurden viele Fragen aufgeworfen, wie z.B., ob Zoe wieder zur Schule gehen kann, wenn die Schulen wiedereröffnen oder ob wir auf Homeschooling umsteigen müssen?
Besonders Hanna, die mehr vorausschauend denkt und plant, fühlte sich sehr gestresst. Gott sei Dank haben wir Anfang November erfahren, dass Zoes Schule wieder öffnen darf und dass Kinder unter 12 Jahren auch ungeimpft in die Schule gehen dürfen. Trotz dieser guten Nachricht sind wir auch etwas wehmütig. Zoe hat es genossen zu Hause Schule zu machen und auch wir – obwohl es immer wieder herausfordernd war, alles unter einen Hut zu bringen – fanden es toll, sie so eng begleiten und fördern zu können und Lernfortschritte so hautnah mitzuerleben. Allerdings wird es uns guttun, wenn sich unser Zeitplan wieder etwas entspannt und auch für Mia ist es gut, wenn wir wieder mehr Zeit für sie haben.
Allgemein öffnet sich Kambodscha nun auch wieder mehr und mehr für Touristen. Die Quarantänezeit für vollständig Geimpfte, die in Kambodscha ankommen, beträgt nun nur noch sieben Tage. Wir sind gespannt was die Zukunft hier bringen wird. Wir merken auch, dass die Angst vor Corona nun wieder etwas abnimmt. Letztens ist noch ein 18-jährige Junge einer bekannten Familie verstorben, während er vor dem Krankenhaus als Notfall auf das Ergebnis des PCR-Coronatests wartete. Ein paar Wochen später wurde Danilo, der mit Fieber ins Krankenhaus musste, nicht einmal auf Covid-19 getestet. Die schnellen und unvorhersehbaren Kursänderungen der Regierung, haben uns in den letzten Wochen sehr müde gemacht.
 
Bei PCL, Danilos neuer Arbeitsstelle, waren auch etliche Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert. Über viele Wochen konnte er nicht viel arbeiten und kaum Mitarbeiter kennenlernen. Nun hatte er aber wieder erste Treffen und er hat einige administrative Aufgaben übernommen, um seinen Freund Isaac, der PCL Kambodscha leitet, zu entlasten. Leider wird er vorerst nicht im Finanzbereich tätig sein.
 
Auch gesundheitlich waren die letzten zwei Monate eine herausfordernde Zeit. Beide Mädels hatten eine dicke Erkältung und Danilo hatte aller Wahrscheinlichkeit nach eine kleine Thrombose in einer Vene im Fuß und lag ein paar Tage flach. Zuerst wurde es in einer lokalen Klinik als schwere Infektion im Bein diagnostiziert und behandelt, die er sich durch eine kleine Wunde am Bein zugezogen haben sollte. Mit Hilfe eines Freundes jedoch, konnte diese Diagnose korrigiert und die Behandlung angepasst werden.
Darüber hinaus haben Zoe und Mia viele Nächte schlecht geschlafen. Zoe hat derzeit immer wieder Albträume, wodurch sie abends Angst hat ins Bett zu gehen. Außerdem haben sie beide seit längerem einen Virus, der kleine Blasen auf der Haut entstehen lässt. Das ist nicht weiter schlimm, aber nervig, da es sehr lange dauert, bis sie wieder weggehen. Auch Hanna hat immer noch juckenden Hautausschlag. Die Verletzung von ihrem Knie jedoch, ist nun fast vollständig verheilt und sie hat nur noch kleine Beschwerden. Dafür sind wir sehr dankbar!
 
Bei allen Herausforderungen nicht den Humor verlieren
 
Hanna besucht derzeit einen jungen Kambodschaner, der gelähmte Beine hat und einen Rollstuhl bekommen soll. Leider sind seine Beine so steif, dass dies derzeit noch nicht möglich ist. Seine Frau macht nun täglich Übungen mit ihm. Ende des Jahres wollen wir entscheiden, wie wir weiter verfahren. Außerdem arbeitet Hanna weiterhin an ihrem Studium und freut sich nun wieder Freunde und Bekannte besuchen zu können.
 
So langsam wagen wir auch über einen Heimataufenthalt in Deutschland nachzudenken und planen derzeit von Anfang April bis Ende Juli 2022 in Deutschland zu sein.
 
Wie geht es euch zurzeit? Wir freuen uns immer auch Neuigkeiten von euch zu hören!
Herzliche Grüße,
Hanna & Danilo mit Zoe & Mia
 

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