Dienstag, 12. Mai 2020

Während COVID-19 in Kambodscha - Update




Wie waren die vergangenen Wochen in Isolation für euch?
Bei uns wurde bis jetzt, Gott sei Dank, noch keine Ausgangs- oder Kontaktsperre verhängt. In Kambodscha gab es offiziell erst ca. 130 mit Covid-19 Infizierte. Trotzdem haben etliche ausländische und kambodschanische Freunde beschlossen, ihre Kontakte außerhalb der Familie stark einzuschränken oder haben sich komplett in Selbstisolation begeben. Viele Hotels und Restaurants sind nun geschlossen, weil fast keine Touristen mehr ins Land kommen. Da die heiße Zeit bevorstand haben wir sehr kurzfristig Ende März entschieden für zwei Monate zu Freunden aufs Grundstück zu ziehen. Dort waren zwei Häuser frei in einem großen, schönen Garten mit Pool, wodurch wir uns in den vergangenen Wochen, die sehr heiß waren, immer wieder im Pool abkühlen konnten. Auf dem Grundstück wohnen zwei weitere deutsche Familien, die auch jeweils ein Mädchen in Zoes Alter haben und eine schweizer Familie. Wir genießen die Gemeinschaft und die Kinder spielen jeden Tag zusammen – nachmittags trifft man sich im Pool und abends treffen wir uns als Erwachsene manchmal. Wir sehen es als großes Geschenk von Gott, dass wir dort ein Haus in dieser Zeit mieten konnten. Wir wären sonst ziemlich isoliert gewesen und hätten sehr unter der Hitze gelitten. Trotzdem freuen wir uns auch darauf, wieder in unsere Wohnung zurück zu ziehen, denn ein großer Garten bedeutet auch, dass es viele Mücken und andere unliebsame Tiere im und ums Haus gibt. Nun beginnt so langsam die Regenzeit und Danilo und Mia werden viel von den Mücken gestochen. Das erhöht das Risiko an Malaria oder Denguefieber zu erkranken.

Gemeinsames Ostergrillen auf dem Grundstück

Zoe malt mit ihren Freundinnen Ostereier an

Da wir Bridge of Hope (BOH, Brücke der Hoffnung) am 10. März schließen mussten, waren auch unsere Mitarbeiter die ersten Wochen fast die ganze Zeit zu Hause. Über Facebook-Messenger waren wir trotzdem immer wieder miteinander in Kontakt. Nun merken wir, wie sich die finanzielle Situation der BOH-Familien rapide verschlechtert. Ihre Einnahmen sinken gegen Null, da einige in Hotels oder Restaurants arbeiteten und entlassen wurden, andere verkaufen auf Märkten oder in den Straßen, doch es gibt weniger Käufer. Ende April haben wir die Situation aller Familien evaluiert und für alle ein Lebensmittelpaket ausgegeben. Außerdem haben wir Anfang Mai eine große Reis-Spende von einer anderen Hilfsorganisation erhalten, sodass wir erneut jeder Familie 10 kg Reis und Hygieneartikel geben konnten. Viele Familien brauchen Unterstützung bei der Bezahlung der Miete, andere brauchen eine Reparatur ihres Daches und wieder andere brauchen Hilfe, um von ihrem gewalttätigen Partner zur Familie aufs Land fliehen zu können. Es gibt viel zu tun und so kommen die BOH-Mitarbeiter nun auch wieder in kleinen Gruppen zur Arbeit. Sie bereiten Hausaufgaben für die Kinder vor, welche einmal pro Woche ausgegeben und korrigiert werden, halten Dinge im Haus und drum herum in Schuss und besuchen oder treffen die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, um zu schauen, wie es ihnen geht und wo sie Unterstützung benötigen.

Verteilung von Hilfpaketen für die BOH-Familien & Hygieneschulung

Wir haben die ganze Zeit gearbeitet, aber nach Ostern eine Woche frei genommen. Das hat sehr gut getan. Wir haben die Zeit genutzt, um zu entspannen und haben nachmittags Ausflüge mit den Kindern in die Natur gemacht.


Trotz der schönen Lebensumstände auf unserem Grundstück, gab es auch viele Stressfaktoren:
- Hannas Brille ging kaputt als sie sich ausversehen darauf setzte, doch sie konnte repariert werden und der Optiker wollte kein Geld dafür haben.
- Danilos Handy gab plötzlich den Geist auf, doch er wurde gut beraten und konnte ein Neues kaufen.
- Hanna verlor ihr Handy – bei strömendem Regen muss es vom Moped gefallen sein, doch abends um 21:30 Uhr gab der Finder es ihr an einer Tankstelle zurück.
- Mia hatte unglaublich viele Unfälle. Es war sehr schwer sie in dem Haus und auf dem großen Grundstück ständig ausreichend zu beaufsichtigen. Ende April sprang sie von einem 75cm hohen Schrank in weiche Kissen und verletzte sich die linke Hüfte. Sie weinte sehr viel, doch es ging stetig bergauf. Nun kann sie wieder krabbeln und beginnt sich hinzustellen. Wir waren sehr dankbar für einen Freund im Nachbarhaus, der sie immer wieder untersuchte und uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Außerdem konnte sie ihr Bein zweimal am Tag im Pool unter wenig Schmerzen bewegen und wir konnten ein paar Tage etwas entspannter leben ohne ständig darauf achten zu müssen, dass sie nicht den nächsten Unfall hat.
- Anfang April gab es einen Sturm bei dem ein Fenster in unserem Haus in 1000 Stücke zerbrach. Die Scherben waren im ganzen Haus verteilt, aber ganz besonders um und auf der Treppe, wo unsere Kinder die meiste Zeit spielten. Gott sei Dank waren wir gerade nicht zu Hause und blieben unverletzt. Als wir heimkamen hatten unsere Freunde sogar schon fast alles saubergemacht. Wir fühlten uns bewahrt und überreich beschenkt.

Wir haben viel Stress, aber auch viel Gutes erlebt. Immer wieder mussten wir wahrnehmen, wie es uns geht, herausfinden, was uns wirklich stresst und uns Gutes gönnen, aber vor allem auch nicht vergessen, dankbar zu sein.

Gespannt sind wir, wie sich die kommenden Wochen entwickeln werden. Da es von der Regierung wenig klare Anweisungen bezüglich Kontaktsperre etc. gibt, brauchen wir viel Weisheit zu entscheiden, mit wem wir uns schon treffen können und wo wir lieber noch Abstand halten sollten. Ende des Monats werden wir aber auf alle Fälle wieder zurück in unsere Wohnung ziehen.

Liebe Grüße ,
Danilo & Hanna

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