Samstag, 11. Mai 2013

Trockenes Land, aber Regen fällt...

Kambodscha zur Trockenzeit

April ist der heißeste Monat in Kambodscha. Das haben wir deutlich zu spüren bekommen. Man wacht morgens trotz zwei Ventilatoren schwitzend auf. Bis man am Frühstückstisch sitzt, fühlt man sich schon wieder wie duschen. Dinge, die für uns vorher ganz normal waren, sind nun plötzlich unendlich wertvoll. Wir sind dankbar für kaltes Wasser aus der Dusche und für Strom, der unsere Ventilatoren betreibt. Wenn für kurze Zeit eines von beiden ausfällt, ist das unglaublich anstrengend, wenn beides auf einmal ausfällt eine kleine Katastrophe. Es gab Tage da duschten wir bis zu viermal am Tag, besonders nachdem wir uns erkälteten oder Nackenverspannungen bekamen, weil wir uns schwitzend unter den Ventilator gesetzt hatten. Beruhigend war es für uns zu hören, dass es auch für Kambodschaner sehr heiß ist und auch sie nicht auf ihre Ventilatoren verzichten wollen. In den Dörfern, wo es keinen Strom gibt, betreiben die Menschen ihre Ventilatoren übrigens mit Autobatterien.
So war es für uns ein ganz besonderer Segen, dass es dieses Jahr zeitiger als sonst wieder angefangen hat zu regnen.

Hanna beim Sprache lernen

Auch die Anfangszeit des Sprachelernens ist eher eine trockene Zeit. Wir verbringen viel Zeit unseres Universitätsstudiums damit das Alphabet mit den 44 Konsonanten (hier liest euch Hanna das kambodschanische Alphabet vor: http://youtu.be/_egly5R4rCE), den dazugehörigen Kleinbuchstaben (die manchmal ganz anders aussehen) und die vielen für uns oft gleich klingenden Vokale zu lernen. Hanna merkte schnell, dass das für sie zu trocken ist und nimmt seit Mitte April nachmittags Einzelunterricht, wo der Fokus auf dem Reden liegt. Danilo begann nun Anfang Mai damit...

Wie ein Regenschauer in dieser trockenen Sprachlernzeit sind unsere Lehrer, die absolut kompetent sind und uns regelmäßig zum Lachen bringen. Die Mühe, so viel Zeit und Kraft in das Erlernen der Grundlagen dieser Sprache zu investieren, lohnt sich. Oft verstehen wir erst richtig, wie ein Wort ausgesprochen werden muss, wenn wir sehen, wie es geschrieben wird. Wir merken, dass wir immer mehr reden können und uns die Leute - mal mehr, mal weniger - verstehen.
Immer wieder kämpfen wir gegen Impulse an uns zurückzuziehen, um keine Fehler zu machen, uns zu blamieren oder Kambodschanern vor den Kopf zu stoßen. Wir müssen uns durchringen auf Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden, auch wenn die Gefahr besteht nach drei Sätzen nicht mehr weiter zu wissen. Dann müssen wir einfach lächeln, uns damit entschuldigen, dass wir gerade erst beginnen die Sprache zu lernen und uns verabschieden.
Man hat leicht Kontakt zu Ausländern und könnte all seine Zeit in diese Beziehungen investieren. Herausfordernd und anstrengend ist es aber immer wieder Möglichkeiten zu finden mit den Einheimischen um uns herum in Kontakt zu kommen. Wir versuchen das auf unterschiedlichen Wegen: Wir gehen in eine kambodschanische Kirche, spazieren in der Kühle des Abends um den Block, kaufen Dinge auf dem Markt um die Ecke und in kleinen Geschäften auf unserer Straße. Einmal im Monat reisen wir für ein Wochenende, um das Land besser kennenzulernen und um noch mehr gezwungen zu sein zu reden.
 
Auf einer unserer Erkundungstouren in Phnom Penh

Der alte Markt in Battambang, der zweitgrößten Stadt Kambodschas

Wie schön ist es zu erleben, dass unsere Nachbarn uns immer mehr ins Herz schließen und uns mit einem strahlenden Lächeln begrüßen. Die Nachbarskinder rufen „Hello“ und „unsere“ Verkäufer auf dem Markt geben uns gute Preise. Eine Frau sagte auf unserer letzten Reise, dass es sie überglücklich gemacht hat, mit Hanna in Khmer reden zu können.
Unsere Teamkollegen ermutigten uns auch, dass wir schon als Paar ein großes Vorbild sind, wenn wir gemeinsam auf den Markt gehen, spazieren gehen, Badminton spielen oder gemeinsam lachen. So eine Vertrautheit und Einheit ist eher unnormal für kambodschanische Ehen. 
Unser Team ist auch ein großer Segen für uns. Wir genießen die zweiwöchentlichen Teamtreffen und die ungezwungenen Treffen zwischendurch. Auch das viertägige Teamwochenende im März war sehr tiefgehend und bereichernd.

Unser Team beim Teamwochende
 
Unser Prozess der Mopedanmeldung dauerte lang und kostete viele Nerven. Nach sieben Wochen konnten wir dann endlich erleben, dass unser Moped ein Nummernschild erhielt. Kurz danach hatten wir dann unseren ersten Mopedunfall. Eine große Kokosnuss fiel von einem Wagen, an dem wir vorbeifuhren, krachte in unser Vorderrad und ließ uns auf der Straße landen. Wir waren dankbar, dass zu der Tageszeit in der Straße sehr wenig Verkehr war und dadurch nicht noch mehr passiert ist. Wir waren ziemlich geschockt, wie schnell so etwas passieren kann und sind froh, dass wir meist mit vier Augen und Ohren und immer mit einer ordentlichen Herde Schutzengeln unterwegs sind.

Unser Nummernschild
 
So sieht übrigens derzeit unser Tagesablauf aus: http://youtu.be/gUv6zH1LfVE 
Wir wünschen euch einen schönen Frühling und freuen uns etwas von euch zu hören!
Liebe Grüße,
Danilo & Hanna

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